Es ist kein Wunder, dass der aus Ostafrika stammende Malabarspinat in der Urban Gardening-Szene einige Fans hat. Die Pflanze ist hitzefest, einfach anzubauen, leicht zu erziehen, ertragreich, schmeckt gut und sieht auch noch schön aus. Was will man mehr?

VON EVELINE DUDDA, SPRIESSBÜRGER-AUTORIN, ILLUSTRATIONEN: DYMNA DRISCOLL

Städter sind den Landmenschen voraus. Zumindest in Sachen Klimaerwärmung, denn in Städten ist es stets ein bis zwei Grad wärmer als auf dem Land. Wer Urban Gardening betreibt, ist deshalb schon heute gezwungen, sich nach hitzeverträglichen Kulturen umzuschauen. Malabarspinat (Basella alba oder rubra) ist wie geschaffen dafür.

Diese Pflanze läuft immer dann zur Hochform auf, wenn die Tagestemperaturen über 25 Grad liegen. Sie kann dann am Tag bis zu 20 cm an Länge zulegen. Unter 15 Grad ist ihr Wachstum dagegen reduziert. Und wenn es nur noch 5 Grad plus hat, bekommt der Malabarspinat zum ersten Mal Schüttelfrost. In den Tropen ist Malabarspinat eine ausdauernde Staude, hierzulande fällt er auch auf dem Stadtbalkon Väterchen Frost zum Opfer. Aber bis er das tut, liefert er so viele schmackhafte Blätter und hübsche Blüten, dass man den Anbau unbedingt wagen sollte. Das geht sowohl im Topf auf dem Balkon, als auch im Hochbeet oder Gewächshaus. In einem normalen Gartenbeet kann man ihn natürlich auch kultivieren, idealerweise wählt man dann einen vollsonnigen Standort.

Alles Erziehungssache

Malabarspinat ist zwar eine Kletterpflanze, aber man kann sie auch buschig erziehen. Wer ein Klettergerüst mit dem hübschen Gemüse begrünen will, leitet den Malabarspinat ein-, zwei- oder mehrtriebig in die Höhe und erntet dann jeweils nur die Blätter. Wird dabei aufs Entfernen der Seitentriebe verzichtet, gehen die Pflanzen zusätzlich in die Breite. Wenn die gewünschte Höhe erreicht ist, sollte man die Triebspitzen abknipsen, um alle Energie in die Blätter zu leiten.

Wer einen buschigen Wuchs bevorzugt, z. B. weil die Pflanze im Topf oder Hochbeet kultiviert wird, erntet jeweils die ganzen Triebe und zwickt sie möglichst nahe am Stamm ab. So bleibt die Pflanze kompakt. Zur Schere greifen ist übrigens auch dann eine gute Idee, wenn der Malabarspinat seinen Hang zum Wuchern auslebt: Mit einem herzhaften Schnitt kann man jederzeit seine Grenzen abstecken. Wers lieber wild mag, lässt dem Pflanzenwuchs dagegen freien Lauf und stellt der Pflanze eine grössere Fläche zur Verfügung.

Malabarspinat ist schnellwüchsig. Gute Düngung dankt er den ganzen Sommer hindurch mit einem reichen Ertrag. Vorausgesetzt, es ist schön warm und der Boden stets feucht. Sehr windige Standorte schätzt er weniger. Ansonsten ist der Anbau unkompliziert. Malabarspinat kann sowohl extensiv als auch intensiv kultiviert werden. Im ersteren Fall lässt man die Pflanze einfach vor sich hin wachsen und erntet nach Lust und Laune. Im zweiten Fall optimiert man den Ertrag durch Düngung und Schnitt. Die Blütenstände sind zwar dekorativ, rauben der Pflanze aber Kraft. Wenn man die Blüten laufend entfernt, werden die einzelnen Blätter grösser und der Blattertrag höher. Gibt man ihr regelmässig Kompost oder biologischen Flüssigdünger, dankt sie das mit grossem Ertrag.

Vielseitige Verwendung

Es ist kein Zufall, dass Malabarspinat da und dort im Urban Gardening anzutreffen ist. Die Pflanze deckt verschiedene Bedürfnisse ab: Sie wächst leicht, sieht gut aus, hat dekorative Blüten und Früchte und schmackhafte Blätter. Letztere sind zudem recht nahrhaft, sie machen satt. Die Blätter sind leicht herzförmig und schmecken nussig-fleischig und irgendwie knackig. Man verwendet sie, ähnlich wie Gartenspinat, sowohl roh als auch gekocht. Da die Blätter fester sind als beim Gartenspinat, eignen sie sich auch zum Kurzbraten. Auf jeden Fall sollte man sie nicht lange kochen, weil sie sonst schleimig werden. Gekocht und püriert kann man Malabarspinat wie Gartenspinat tiefkühlen. Die Blätter können auch getrocknet und später als Tee oder zum Andicken von Speisen verwendet werden. Die kleinen Blüten eignen sich als (essbare) Tischdekoration. Die leicht säuerlich schmeckenden, schwarzen Beeren sehen giftig aus, sind es aber nicht. Sie können ebenfalls gegessen werden, allerdings stört das harte Samenkorn den Genuss. Deshalb werden die Beeren meistens für Saft verwendet. Kaltgepresst ist der violette Saft so unglaublich farbintensiv, dass einem Randensaft dagegen wie ein blasses Wässerli daherkommt. Die Zugabe von Zitronensaft verstärkt die Farbintensität
sogar noch. Selbst getrocknete Früchte können noch als Färbemittel verwendet werden, wenn man sie zuvor einweicht. Den beinahe geschmacksneutralen Saft kann man als Lebensmittelfarbe für Gebäck, Teigwaren oder Eier verwenden. Je dunkler die Beeren, desto farbiger sind allerdings auch die Flecken, die sie auf Händen, Stoff, Möbeln und Boden hinterlassen …

Die Herkunft ist nicht genau bekannt, vermutet wird (Ost-)Afrika. Inzwischen ist Malabarspinat in allen tropischen Regionen verbreitet und nach und nach erobert er auch in Europa Gärten, Terrassen und Balkone. Grundsätzlich ist Malabarspinat ein Sonnenanbeter, er verträgt aber auch noch Halbschatten. Im kleinflächigen Anbau sind keine Fruchtfolgeprobleme bekannt. Ausser Winterportulak werden auch keine anderen Familienmitglieder gärtnerisch genutzt. An die Bodenart stellt Malabarspinat geringe Ansprüche, er sollte lediglich wasserdurchlässig sein. Allzu kalkhaltig sollte er nicht sein, bei Werten über 7,5 wird sein Wachstum gehemmt. Nährstoffreichtum schätzt er durchaus, er wächst aber auch auf armen Böden, solange das Wetter warm und feucht ist.

Unkomplizierte Anzucht

Saatgut ist im Gartencenter und da und dort sogar beim Grossverteiler erhältlich. Die Aussaat erfolgt idealerweise bei Temperaturen über 25 Grad. Je wärmer, desto schneller keimen die Samen. Gesät wird 1 bis 2 cm tief in normale Aussaaterde. Wer schneller zum Ziel kommen will sollte Ausschau nach bereits bestehenden Pflanzen halten. Man kann Malabarspinat nämlich auch durch Stecklinge vermehren. Dazu schneidet man einen Trieb von rund 10 cm Länge ab, stellt ihn in ein Glas mit Wasser und wartet, bis er bewurzelt ist. Oder man steckt den Trieb gleich direkt in feuchte Erde und hofft darauf, dass er bewurzelt (was er meistens auch tut). Später kann man selbst Saatgut gewinnen. Dazu muss man nur einzelne Blütenstände stehen und die Beeren ausreifen lassen. Da es sich um eine Kurztagspflanze handelt, beginnen die Pflanzen erst zu blühen, wenn die Tage kürzer sind als die Nächte. Pflanzenschutzmassnahmen sind hierzulande kaum je nötig. Die Blätter bekommen manchmal Flecken, aber das ist rein optisch. Wer sich daran stört, entfernt die unschönen Blätter einfach und wartet auf den makellosen Nachwuchs. Einen Rückschnitt bis auf die ersten 30 cm kann die Pflanze jederzeit noch gut wegstecken. Schade, sind nicht alle Gemüsearten so pflegeleicht wie der Malabarspinat.

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus dem Buch «Spriessbürger Spezial – Handbuch für den Anbau von fremdem Gemüse und Salat», ISBN 978-3-9524524-6-2, erschienen im Spriessbürger Verlag: www.spriessbuergerverlag.ch