Im Herbst lohnt es sich, in Bern etwas mehr Zeit zu verbringen. Für einen aromatischen, lokal gerösteten Kaffee unter den Lauben (Arkaden), ein gemütliches Schlendern durch den «Märit» (Markt) oder ein Mittagessen, das gerne etwas länger dauern darf. Und vielleicht für eine Nacht mehr in der Schweizer Bundesstadt.

Ausblick vom Rosengarten auf die Berner Altstadt; Copyright: Bern Welcome

Ein Morgen zum «gänggele» (einkaufen)
Frühmorgens weht noch etwas frischer Wind durch die Altstadtgassen, bevor die ersten Sonnenstrahlen die Dächer der UNESCO-gekürten Berner Altstadt in goldenes Licht hüllen. Unter den sechs Kilometer langen Lauben (Arkaden) öffnen die Geschäfte und vor den Marktständen stapelt sich die saisonale Ernte aus der Region, es duftet herrlich nach frisch gebackenem Brot, würzigem Käse und irgendwo wird bereits die erste Tasse Kaffee eingeschenkt. Dazwischen bleibt genüsslich viel Zeit für einen Schwatz, schliesslich nehmen es die Berner:innen stets gemütlich. Und spätestens nach dem ersten letzten Schluck wird schon mal überlegt, wo später eingekehrt wird.

Der Herbst kommt auf den Teller
Jetzt haben Pilze, Kürbisse und Marroni ihren grossen Auftritt. In den Berner Restaurants werden dampfende Spätzli in würzige Sauce getunkt und zu feinen Wildgerichten serviert. Zum Dessert wartet ein Herbst-Klassiker: Vermicelles mit «Nydle» (Rahm).

Oder darf es ein bisschen deftiger sein? Im Emmental wartet die wohl berühmteste Versuchung der Region: eine «Merängge» (Meringue) vom Landgasthof Kemmeriboden-Bad. Ein Besuch der Schweizer Bundesstadt lässt sich komfortabel mit dem Besuch einer naheliegenden Region wie das Emmental verbinden. Ein ziemlich guter Grund, die Heimreise noch etwas hinauszuschieben, oder?

Überhaupt beginnt der Genuss lange vor dem ersten Bissen im Restaurant. Auf Märkten und in der Region zeigt sich, wo vieles herkommt. Käse, Brot, Gemüse und weitere Spezialitäten erzählen von lokalen Produzent:innen, Handwerk und Wissen, das von Generation zu Generation weitergegeben wird.

Zytglogge (Zeitglockenturm)-Führung mit spannenden Einblicken; Copyright: Bern Welcome

Wo Tradition noch Handarbeit ist
Aus Milch wird Käse. Aus Flachs wird Leinen. Und manches braucht so viel Geduld, dass schon das Zuschauen entschleunigt. Wer dabei das Handwerk beobachtet, merkt schnell: Tradition wird gelebt von Menschen, die ihr Metier kennen und ihre Geschichten und Kenntnisse weitergeben.

Auch mitten in Bern greifen Vergangenheit und Gegenwart ineinander. Besonders eindrücklich zeigt sich das beim «Zytglogge» (Zeitglockenturm). Draussen drehen die Figuren ihre Runden, während drinnen die Zahnräder mechanisch ineinandergreifen und das jahrhundertealte Uhrwerk am Laufen halten. Bei einer öffentlichen oder privaten Stadtführung geht es hinein ins Wahrzeichen und hinauf zur Aussichtsplattform. Oben wartet statt Zahnrädern ein anderer Anblick: die Berner Altstadt zu Füssen und der 101 Meter hohe Turm des Berner Münsters.

Herbstlicher Genuss im Kornhauskeller Bern; Copyright: Bern Welcome

Einfach verlängern und noch etwas bleiben
Wenn das Herbstlicht langsam weicher wird, ist noch lange nicht «Fyrabe» (Feierabend).

Vielleicht führt der Weg noch eine Gasse weiter oder der Aare entlang und später in eines der traditionsreichen Gewölbekellerlokale der Altstadt. Bei etwas Feinem auf dem Teller kommt irgendwann die Frage auf: Warum eigentlich schon nach Hause?  Muss ja nicht sein.

Denn am nächsten Morgen beginnt Bern wieder ganz gemütlich: mit einem ausgiebigen «Zmorgä» (Frühstück) und genügend Zeit für das, was gestern keinen Platz mehr hatte. Denn manchmal ist genau das der schönste Luxus im Leben: noch etwas bleiben.

 

Herbst in Bern entdecken und mit etwas Glück eine Hotelübernachtung für zwei Personen gewinnen

 

 

 

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